Persönliches
   
   

Britta Zangen
Geb. 20.9.1947 in Düsseldorf
Literaturwissenschaftlerin, Autorin, Dozentin, YouTuberin


...nach vier Jahren Volksschule Wechsel auf den Frauenoberschulzweig eines Mädchengymnasiums als vermeintlich sinnvollste Vorbereitung auf ein Frauenleben.

 
   

Mit 16 — Abgang vom Gymnasium mit der Mittleren Reife in der Überzeugung, dass ich mit 20 heiraten und dann ein halbes Dutzend Kinder haben würde und dass das Abitur daher unnötig sei.
Je ein Jahr in London und Paris der Sprachen wegen.
Ausbildung zur Entwurfsdirektrice (Modezeichnerin), weil meine Familie eine Textilfabrik hatte und fand, dass das ein schöner Beruf für ein Mädchen sei. Mir war es gleichgültig, weil ich ja bald heiraten würde. Fünf Jahre Ausübung des erlernten Berufs.

Mit 26 — im familiären Betrieb gekündigt auf der Suche nach neuen Heraus-forderungen. Vorbereitung auf die "Zulassung zum Hochschulstudium ohne Reifezeugnis" vor dem wissen-schaftlichen Prüfungsamt der Universität Bonn. Finanzierung des Lebensunterhalts als Dozentin für Englisch an der Volkshochschule Düsseldorf und durch Unterstützung meines zukünftigen Ehemanns.

Mit 28 — Studium der Lehramtsfächer Englisch und Französisch an der Universität Düsseldorf - obwohl ich inzwischen eigentlich Juristin werden wollte -, weil sich ein Lehramt so schön mit den Aufgaben einer Familienfrau verbinden lassen würde. Ab dem 3. Semester studentische Hilfskraft bei den Romanisten.

Mit 33 — Erstes Staatsexamen, Sekundarstufe II, und Heirat. Ein Jahr später zusätzlich Sekundarstufe I. Währenddessen als wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität. Das Angebot zu promovieren, lehnte ich nicht nur ab, weil ich mich nicht für französische Lexikologie erwärmen konnte, sondern immer noch auch wegen eventueller Kinder.

Mit 34 — Referendarin am Gesamtseminar Düsseldorf; eine von drei "Alterspräsident/Innen" und eine der ganz wenigen von 200, die die Referendarzeit vom ersten bis zum letzten Tag genossen.

Mit 36 — Zweites Staatsexamen; das war 1984 und inzwischen bekamen Referendar/Innen massenweise keine Stellen mehr. Also 1 1/2 Jahre in der vergeblichen Hoffnung gejobt, doch noch eine Stelle zu bekommen.

Mit 38 — Leiterin des Lern- und Trainingszentrums der Volkshochschule Düsseldorf und zwei Jahre später zusätzlich Leiterin der Internationalen Bibliothek der Volkshochschule in Mutterschaftsvertretung.

Mit 43 — mein Privatleben auf den Kopf gestellt, Scheidung eingereicht und erstmals in meinem Leben massiv unter den Einfluss feministischen Gedankenguts geraten.

Mit 44 — auch das berufliche Leben umgekrempelt: die Ganztagsstelle bei der VHS gekündigt und eine Halbtagsstelle als Fremdsprachensekretärin angetreten, um in Anglistik zu promovieren. Endlich war ich in der Lage, mich von den mir anerzogenen Vorstellungen eines 'ordentlichen' Frauenlebens zu befreien und dem Bedürfnis nachzugeben, die Grenzen meiner geistigen Kapazitäten auszutesten; zudem hatte ich jetzt ein Thema gefunden, das mich etwas anging: Feminismus.

Mit 46 — auf der Suche nach feministischer Aktivität auf die Düsseldorfer Vorbereitungsgruppe zum Frauenstreiktag gestoßen. Seit der ersten Diskussion über eine Frauenpartei vehement dafür gestritten. Eine von 22 Frauen, die im Juni 1994 beschlossen, eine Frauenpartei zu gründen. Im Oktober 1995 den Kreismitfrauen-verband Düsseldorf und im März 1997 den Landesmitfrauenverband Nordrhein-Westfalen gegründet; jahrelang Bundesschiedsfrau, dann Kreisschatzfrau in Düsseldorf bis zum Austritt 2005.

Mit 48 — Promotion und sofortiger Beginn der Arbeit an der Habilitation. Meinen Lebensunterhalt verdiente ich mir inzwischen als Lehrbeauftragte an der Universität Düsseldorf sowie durch Vorträge, Seminare, Führungen und Nachhilfe.

Mit 54 — Beginn des Habilitationsverfahrens an der Universität Bonn; ein Jahr später das Gesuch an die Universität zurückgezogen, weil die Kommission von mir verlangte, meinen feministischen Ansatz deutlich zu verwässern.

Mit 56 — einen Lebenstraum erfüllt und Gesangsunterricht begonnen.

Mit 58 — mein erstes nicht-wissenschaftliches Buch veröffentlicht: 50 plus und endlich allein, das auf großes Interesse stößt, und an Kurt Weill geraten.

Mit 59 — einen Kurt-Weill-Abend gestaltet, weil es mir unmöglich ist, neue Erkenntnisse nicht in Text umzusetzen und anderen mitzuteilen.

Mit 60 — das zweite nicht-wissenschaftliche Buch veröffentlicht: Wenn Eltern auseinandergehen über Scheidungskinder und Patchwork-Familien; sowie erfolglos begonnen, Theaterstücke und Hörspiele zu schreiben.

Mit 64 — zweimal im Fernsehen: am 3.2.12 im Nachtcafé des SWR zum Thema "Partnerlos glücklich?"(http://swrmediathek.de/player.htm?show=baa86950-4f51-11e1-bc9d-0026b975f2e6); am 24.6.12 in der Westart Talkshow des WDR bei "Einsam oder gemeinsam?" (http://www.wdr.de/tv/westart/sonntag/).

Mit 65 noch'n Sachbuch herausgegeben aufgrund meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in einem Frauenhaus: Bedingungslos menschlich. Ehrenamtliche im Einsatz. 17 ver-schiedene Menschen geben spannende Einblicke von beiden Seiten.

Mit 69 Schlussdiebus! (Fast) nur noch Lebensabend, d.h. meine alten Fremdsprachen mit Tandem-Partnern wachhalten (wunderbare Erfindung!) und eine neue dazugenommen: Türkisch - die Herausforderung meiner späten Jahre. Dazu ehrenamtliche Betreuung von Männern in und nach Gefängnissen.

Mit 70 meistens kommt es anders... Der Lebensabend ist so toll und so viele Menschen trauern darum, dass ich meine Gedanken doch noch einmal zu Papier bringen muss: Alter/n ist großartig. Man muss nur wissen wie.

Mit 73 Corona! Es ist nie zu spät für nix: unter die YouTuber/Innen gegangen.

 
   

CV in English

Britta Zangen
born 20/09/1947 in Düsseldorf
literary scholar, author, lecturer, youtuber

… after four years of elementary school on to a grammar school for girls with the focus on “ women's subjects “ as supposedly most useful preparation for a woman's life.

At 16 -- school leaving in the conviction that I would marry at 20, have half a dozen children and further education would be unnecessary.
One year in London and one in Paris to learn the languages.
Training as a fashion designer because my family owned a textile factory and believed it to be a lovely occupation for a girl. I didn't care since I was going to marry soon anyway. Five years of work as a fashion designer.

At 26 -- I resigned from the family's business because I couldn't go on feeling insufficiently challenged. Preparation for an exam to be admitted to a German university without the necessary high school graduation exam. Earned my livelihood as a lecturer for English at an adult education centre but was also financially supported by my future husband.

At 28 -- studies in English and French at the University of Dusseldorf to become a teacher -- although I really wanted to study law -- because a teaching job would be nicely compatible with the duties of a housewife and mother. After a year, was offered a job as undergraduate assistant in the apartment for Romance studies.

At 33 -- First State Examination and marriage. Another year as a research assistant. The offer to do my doctorate I rejected not only because I hadn't warmed up to French lexicology but also still because of potential children.

At 34 -- student teacher; one of three “ chairpersons by seniority ” and one of the very few of 200 that enjoyed this time from the first to the last day.

At 36 -- Second State Examination; that was in 1984 and there were no jobs for teachers to be had; 18 months in all kinds of temporary jobs hoping in vain for a position as a teacher.

At 38 -- head of the Educational Training Centre in Dusseldorf and later of the International Library as well.

At 43 -- turned my private life upside down: divorce, and for the first time in my life strongly influenced by feminist convictions.

At 44 -- turned my professional life upside down as well: resigning the full-time job for the purpose of taking a Ph.D., starting a part-time job in the secretariat and bookkeeping department of a retail business instead. At long last I was able to free myself from the acquired notions of a ‘proper’ woman's life and to give way to my longing to test the limits of my mental faculties; I had also finally found a topic I could engage with: feminism.

At 46 -- looking for feminist activity, I ended up being one of 22 women who founded a women's party (left the undertaking 10 years later).

At 48 -- Ph.D. (thesis written in English: A Life of Her Own: Feminism in Vera Brittain's Theory Fiction and Biography); lecturer for English literature at Dusseldorf University; immediate work on a 'Habilitation' at Bonn University (highest academic qualification in Germany necessary for full professorship; dissertation (written in English): 'Our Daughters Must Be Wives': Marriageable Young Women in the Novels of Dickens, Eliot, and Hardy; premature ending of the procedure by my withdrawal because of insurmountable differences re feminist theory.

At 56 -- fulfilled my life's dream and took singing lessons.

At 58 -- my first non-scientific book published: 50 plus und endlich allein (50 Plus and Alone at Last); extensive reading and lecturing tours.

At 59 -- a cabaret performance of Portrait of the Artist Kurt Weill. Much More than "The Threepenny Opera" because I am unable not to transport new knowledge into a text and share it.

At 60 -- publication of my second non-scientific book: Wenn Eltern auseinandergehen (When Parents Separate); several theatre and radio plays written unsuccessfully.

At 64 -- twice in TV talk shows: on 3/2/12 on “Partnerless happy?” (http://swrmediathek.de/player.htm?show=baa86950-4f51-11e1-bc9d-0026b975f2e6); on 24/6/12 " Alone or Together?" (http://www.wdr.de/tv/westart/sonntag/).

At 65 -- yet another popular non-fictional book: Bedingungslos menschlich (Unconditionally Humane), 17 different people giving or receiving voluntary help share interesting insights from both sides -- having done voluntary work in a women's shelter.

At 69 -- finished! Evening of my life: keeping my old foreign languages alive with tandem partners (wonderful invention!) and beginning a new one: Turkish -- the one challenge of my old age; and leaving the women's shelter for men's prisons.

At 70 -- I was wrong: the evening of my life is so interesting and so many people lament it that I have to put my thoughts onto paper once again: Alter/n ist großartig. Man muss nur wissen wie (Age and Ageing are Fantastic: You Only Have to Know How to).

At 73 -- started a video blog because I simply can't keep my mouth shut.

 
   
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